Die Energiewende steht am Scheideweg. Deutschland kann seine Klimaschutzziele laut Klimaschutzbericht des Umweltministeriums nicht einhalten, zum Beispiel als Ziel bis 2020 mindestens 40 % weniger CO2 auszustoßen als 1990. Bürger protestieren gegen große Energie-Projekte – mittlerweile sogar gegen die umweltfreundliche Windkraft. Noch nie waren die Meinungen und Diskussionen zur Energiewende so kontrovers auf allen Ebenen – von den Bürgern über Unternehmen bis zur Politik – wie im Moment. Dabei sind sich im Ziel alle einig: Weniger CO2-Ausstoß und damit mehr Klimaschutz!

Innovationen und neue Techniken zulassen
Die Energiewirtschaft ist einer der vier Hauptakteure bei der Umsetzung des Klimaschutzplans 2050. GELSENWASSER sieht den Klimaschutz als Chance, Innovationen zu fördern aus denen dann Lösungen entstehen, die wir heute noch gar nicht kennen. Dazu muss der Klimaschutz(plan) jede Technik zulassen und darf den Bürgern keine bestimmte Heizung verbieten. Nur so kann die Versorgung effizienter und klimaneutral werden.
Besonders in der Erdgasversorgung steckt enormes Potenzial, um viel CO2 bei der Wärmeversorgung einzusparen. Andersherum gesagt: Ohne Erdgas lassen sich auch die Ziele bis 2030 wohl nicht erreichen! Trotzdem diskutiert die Bundesregierung die Möglichkeit, den mit Abstand emissionsärmsten Energieträger – Erdgas – innerhalb von 15 bis 35 Jahren aus dem Markt zu nehmen und Strom für das Heizen „künstlich“ attraktiv zu machen.

Warum geht Klimaschutz nicht ohne Erdgas?

Wärme für Ihr Zuhause nur mit Strom, ganz ohne Erdgas – ist das zu Ende gedacht? Denn zum einen wollen Bürger und Kommunen Erdgas als Wärmeerzeuger für Zuhause. Rund 50 Prozent aller Neuanschlüsse bei Neubauten sind für Erdgas, laut Zahlen des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Bei einer kurzfristigen Umstellung von Gas auf Strom käme es zudem bei dem aktuellen – wesentlich von Braunkohle geprägten – Strommix zu einem erheblichen Anstieg der CO2-Emissionen.

Hinzu kommt, dass der Umstieg von Erdgas auf Strom bei der Wärmeversorgung wenig Sinn macht, solange zirka 60 % des Stroms aus nicht regenerativen, sprich fossilen Energien, hergestellt wird. Dadurch – und durch den parallelen Ausstieg aus der Atomenergie – würde der Anteil fossiler Energien wieder steigen – und sich der CO2-Ausstoß verdoppeln oder gar verdreifachen. Sowohl (umwelt)technisch, volkswirtschaftlich als auch sozial hat eine solche komplette Umstellung demnach keinen Mehrwert.
Stattdessen bietet eine intelligente Kombination aus Strom- und Wärmeerzeugung den größten Nutzen. Aktuell haben 70% der Gasheizungen Modernisierungsbedarf. Das würde den CO2-Ausstoß deutlicher verringern als das Umstellen der Wärmeversorgung (und auch des Verkehrs) auf Strom. Eine dezentrale, kombinierte Wärme-Strom-Versorgung, die mittelfristig dann zu einer erdgasfreien Energieversorgung mit nur erneuerbaren Energien führt, ist also nicht nur kosteneffizient, sondern auch von den Verbrauchern akzeptiert. Und das ist es doch, was die Energiewende braucht: breite Unterstützung, um am Scheideweg die richtige Gabelung nehmen zu können! Der andere Weg führt nur in eine Sackgasse.

Zumal nicht klar ist, ob und wie die Bürger den dann nötigen Großausbau der Stromnetze bezahlen wollen. Die soziale Verträglichkeit von Klimaschutz ist aber entscheidend – ohne gesellschaftliche Akzeptanz ist die Energiewende zum Scheitern verurteilt.

Würde ausschließlich mit Strom geheizt, würden Privathaushalte 6 bis 10 Mal so viel Strom benötigen. Das würde die Infrastruktur inklusive Transportmöglichkeiten vor ganz andere Dimensionen stellen, regional bis überregional. Doch gerade solche Großprojekte verursachen hohe Kosten und sind wenig beliebt. Denn die Energiewende in Deutschland lebt von individuellen, kleinen Lösungen vor Ort, davon, dass Bürger mitgestalten können. Und genau das wollen und tun sie auch! Durch die Einbindung unterschiedlicher Privathaushalte können kreative, neue und klimaneutrale Lösungen gefunden werden.

 

Schon gewusst?

Hintergründe zum Klimaschutzplan 2050

Der Weltklimavertrag sieht vor, dass die globale Erwärmung der Luft nicht weiter als zwei Grad über das Niveau des 19. Jahrhunderts steigt. Um diesen Vertrag – 2015 in Paris abgeschlossen – einhalten zu können, müssen alle beteiligten Länder eigene Maßnahmen umsetzen. In Deutschland regelt diese der Klimaschutzplan 2050. So sollen bis 2050 80 bis 95% weniger Treibhausgasemissionen als 1990 in die Atmosphäre gepustet werden.
Doch die Verabschiedung des Klimaschutzplans 2050 im Bundestag entpuppte sich als eine große Herausforderung für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Denn zu viele fanden die Klimaziele wohl zu hart – weshalb viele aufgeweicht wurden, ganz besonders in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft. Fast wäre Hendricks Mitte November 2016 ohne Plan zur Weltklima-Konferenz nach Marrakesch gereist.
Am Ende fuhr sie mit einem „auf den letzten Drücker“ beschlossenen Klimaschutzplan, doch der beinhaltet bei einem der wichtigsten Punkte überhaupt: Den Ausstieg aus der Kohle (es wird eine neue Kommission für „Klimaschutz, Wachstum, Strukturwandel und Vollendung der Energiewende“ geben, die bis Mitte 2018 Vorschläge machen soll, wie die CO2-Einsparung in der Kohle-Industrie umgesetzt werden könnte, dann erst soll der Zeitpunkt des Ausstiegs festgelegt werden). Auch in anderen Punkten musste sich Hendricks dem Druck beugen. Bei dem „Gezerre“ hat das Image der Energiewende genauso gelitten wie die Akzeptanz der Bürger für das Ganze.

 

Fragen?
Dann sprechen Sie unseren Experten Dr. Arnt Baer – Leiter Politik und Verbände – an: entweder mithilfe der Kommentar-Funktion oder über das Kontaktformular.

 

Links
Klimaschutzplan 2050
Zeit Online zum Klimaschutzplan
Bundesumweltministerium
Erklärfilm zur Energiewende vom BMUB
UBA – Kohlestrom: 50 Prozent weniger

 

Bildhinweis
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