Die Gelsenwasser-Stiftung unterstützt die Joblinge in Gelsenkirchen. Mehrere Joblinge machen eine Ausbildung in unserem Unternehmen; Mitarbeiter engagieren sich als Mentoren. Wir zeigen, warum es so wichtig ist, sich als Unternehmen in diesem Bereich einzubringen!

Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland liegt bei sieben Prozent – das ist der niedrigste Wert in der EU. Trotzdem ist der Einstieg ins Berufsleben für Jugendliche nicht immer leicht. Es fehlt oftmals an familiärem Rückhalt, an Vorbildern, finanziellen Mitteln oder an guten Noten. Aus unterschiedlichsten Gründen sind die Startbedingungen somit nicht immer optimal. Hier setzt die Initiative „Joblinge“ an. Sie macht sich dafür stark, gerade diesen jungen Talenten eine Chance zu geben. 24 Mal gibt es das Programm in Deutschland, auch in Gelsenkirchen. Das Konzept dahinter: Wirtschaft, Staat und Privatpersonen engagieren sich gemeinsam und bieten sozial benachteiligten Menschen echte Jobchancen – und das langfristig. Dadurch konnten bereits über 5.000 junge Erwachsene unterstützt werden.
Seit Februar 2014 gibt es Joblinge auch in Gelsenkirchen. Die Gelsenwasser-Stiftung unterstützt die Initiative seit Beginn. Und inzwischen schreiben Joblinge in unserem Unternehmen Erfolgsgeschichten! Zum Beispiel Mariola Jendryczko und Tim Maldei. Sie nahmen am sechsmonatigen Joblinge-Programm teil und machen nun ihre Ausbildung bei Gelsenwasser.

Ehrgeiz und Willen zeigen für die Chance

Tim Maldei ist kein Jobling im klassischen Sinn, er ist vielmehr ein Paradebeispiel: Der 24-Jährige machte das Fachabitur im Bereich Wirtschaft und Verwaltung und fand problemlos eine Ausbildungsstelle bei einem Rechtsanwalt. Doch diese verlor er, als sein damaliger Chef schwer erkrankte und ihn entlassen musste. Das Amt schlug Tim daraufhin vor, bei Joblinge mitzumachen. „Zunächst hatte ich aber den Ehrgeiz, es alleine ohne Hilfe zu schaffen. Doch schlussendlich konnte mich das Konzept doch überzeugen. Das war 2016“, erinnert er sich. Mit einer bloßen Anmeldung war es aber nicht getan. Jeder Bewerber muss sich für den Platz zunächst qualifizieren. Wie das abläuft? Tim erklärt es so: „Drei Tage lang musste ich ehrenamtlich arbeiten, anpacken und zeigen, dass ich den Ehrgeiz und Willen habe, bei Joblinge mitzumachen. Erst wenn diese Zeit um ist, fällt die Entscheidung: Bekomme ich die Chance oder nicht?“ Er bekam sie.

Der Mentor: Vertrauensperson, Vorbild und Coach

Begleitet wurde Tim während seiner Jobling-Zeit von seinem Mentor, Klas Rabenschlag. Dieser motivierte, betreute und unterstützte ihn, war Vertrauensperson, Vorbild und Coach zugleich. Auch war er es, der Rückhalt und Ansporn gab, während Tim seine ersten Praxisschritte ging. Rabenschlag selbst ist seit 2015 als Mentor bei Joblinge dabei, jetzt schon zum vierten Mal. Wie er dazu gekommen ist? Er erklärt: „Wenn man die Gesellschaft kritisiert, muss man auch selbst daran arbeiten, diese zu verbessern. Daher wollte ich etwas tun. Das geht politisch – aber etwas Soziales passt besser zu mir.“

So ist er über das Gelsenwasser-Intranet auf Joblinge aufmerksam geworden: „Das Bauchgefühl hat einfach ,ja‘ gesagt“, berichtet er. „Das Tolle an Joblinge ist, dass ich selbst Einfluss darauf habe, wie viel Zeit dieses Engagement in meinem Alltag einnimmt.“ Das können mal mehrere Stunden pro Woche sein, mal sieht man sich einen Monat gar nicht – je nach Bedarf. „Während der Treffen tauschten Tim und ich uns über die aktuelle Lage aus. Ich gab Gedankenstützen, half und hörte zu.“ Generell sei es schön, den Joblingen Rückhalt zu geben, denn: „Da ist jemand, der stellt sich hinter und auch vor sie. Jemand ist da, der sich für sie interessiert – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die jedoch viele Joblinge aus ihrem Elternhaus nicht kennen“, so Rabenschlag.

Mit Tim erlebte Rabenschlag rückblickend die schönste Zeit, denn: „Er hatte Bock darauf, Spaß daran und suchte nach neuen Perspektiven.“ Das ist aber nicht bei allen Joblingen der Fall. „Manchmal läuft’s auch nicht so rund. Die jungen Erwachsenen kommen aus schwierigen Verhältnissen, haben andere Meinungen und teilweise naive Vorstellungen vom Leben“, weiß Rabenschlag. Umso schöner sei es daher, den unglaublichen Entwicklungsschritt zu beobachten, den viele Joblinge in dem halben Jahr gehen. Das erfülle ihn: „Mein erster Jobling war ein richtiger Gegensatz zu Tim – ein echter Extremfall: Er hatte keinen Schulabschluss, Schulden und Kinder. Doch während seiner Praktika fand ein Umdenken statt. Plötzlich entwickelte er Verantwortungsbewusstsein. Innerhalb der Zeit, in der ich ihn begleitet habe, wuchs er also über sich hinaus.“

„Erstens: Jeder hat eine zweite Chance verdient und zweitens: Geht nicht, gibt’s nicht. Wenn man das begreift, kann man Erfolgsgeschichten schreiben.“

Daher kann Rabenschlag nur jedem ans Herz legen, sich ehrenamtlich als Mentor zu engagieren. Die Begründung: Längst nicht jeder Jobling habe das Glück, einem Mentor zugewiesen zu werden. Der Bedarf an Neuen sei somit da. Zudem lerne man in dem intensiven halben Jahr fürs Leben. „Auch mir als Mentor sind zwei Dinge aus dem Projekt in besonderem Maße klar geworden. Erstens: Jeder hat eine zweite Chance verdient und zweitens: Geht nicht, gibt’s nicht. Wenn man das begreift, kann man Erfolgsgeschichten schreiben.“

Unterstützung der Mentoren ist unglaublich wertvoll

Wie Tim. Nach dem halben Jahr als Jobling, in dem er viele Kniffe rund um Bewerbung und Bewerbungsgespräch lernte, klappte es mit einem dreiwöchigen Praktikum als Anlagenmechaniker– so kam er zu Gelsenwasser. Warum er sich dafür entschied? „Ich wollte etwas Kreatives machen, etwas mit den Händen. Das gefällt mir.“ Und Talent dafür bringt er auch mit: Keine anderthalb Wochen nach Praktikumsstart kam der Chef auf Tim zu und fragte, ob er sich vorstellen könnte, im Anschluss an die Praktikumszeit eine Ausbildung in der Abteilung vor Ort in Lüdinghausen zu beginnen: „Und wie ich mir das vorstellen konnte. An den 15. September 2016 erinnere ich mich nach wie vor besonders gut. Denn das war mein erster Tag als Azubi.“

Jobling Mariola Jendryczko macht jetzt eine Ausbildung bei Gelsenwasser.

Jobling Mariola Jendryczko macht jetzt eine Ausbildung bei Gelsenwasser.

Auch Mariola denkt gerne an die Zeit zurück und schreibt ihre eigene Erfolgsgeschichte: 2016 begann auch sie bei Joblinge mitzumachen. Wie sie dazu kam? „Ich bin in Polen geboren und aufgewachsen. Dort habe ich zielstrebig mein Abitur gemacht und eine Ausbildung zur Mediengestalterin erfolgreich abgeschlossen.“ Lernen fiel ihr nie schwer, doch in der Medienbranche fühlte sie sich nicht zu Hause: „Ich wusste, dass ich mich beruflich umorientieren möchte. Und in Deutschland bekam ich die Möglichkeit dazu.“
So zog sie vor knapp anderthalb Jahren aus ihrer polnischen Heimatstadt Zabrze zu ihrer Schwester ins Ruhrgebiet. Mehrere Praktika erleichterten die Suche nach dem Traumjob. Mit der Zeit lernte sie ihre Interessen und Fähigkeiten besser kennen. In den Einzelhandel schnupperte sie für eine Weile herein, dann arbeitete sie für einen Monat bei den Stadtwerken Castrop-Rauxel. Mariola berichtet: „Da merkte ich: Das gefällt mir. Das ist auf jeden Fall etwas für mich. Sie bilden aber dort leider nicht aus. Daher musste eine Alternative her.“ Eine Arbeit rund um Wasser, Gas und Strom sollte es sein: „Das ist spannend und interessant. Hier kann ich mir meine Zukunft vorstellen.“ Das Jobcenter gab ihr den entscheidenden Tipp, bei Joblinge mitzumachen. Den befolgte sie. Und so kam auch sie zu Gelsenwasser: Erst für ein Praktikum in Recklinghausen, dann wurde ihr im Betrieb direkt im Anschluss eine Ausbildungsstelle zur Kauffrau für Dialogmarketing angeboten: „Ich freue mich sehr, hier einen Platz gefunden zu haben und endlich anzukommen.“ Sie hatte zu Beginn auch das Glück, einen Mentor an ihrer Seite zu haben, inzwischen steht sie auf eigenen Beinen. Rückblickend bewertet sie die Unterstützung als „unglaublich wertvoll und toll“.

Tim kann sich bereits heute schon vorstellen, selbst eines Tages Mentor zu werden: „Warum nicht?“, meint er. „Ich kann mich bestimmt sehr gut in die Joblinge hineinversetzen.“ Auch Rabenschlag fällt es nicht schwer und unterstreicht: „Jeder kann Mentor werden und wenn sich nur einer dazu entschließt, dann habe ich alles richtig gemacht.“

 

Sie wollen selbst Mentor für Joblinge werden?
Interesse geweckt, als Mentor aktiv zu werden? Melden Sie sich bei Joblinge Ruhr in Gelsenkirchen:

Joblinge gemeinnützige AG Ruhr
Standort Gelsenkirchen
Bahnhofstr. 10
45879 Gelsenkirchen
Telefon: 0209 51959-700
E-Mail: ruhr@joblinge.de

 

Das offizielle Video von Joblinge

 

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AUTOR
Carolin Kampschulte

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