Wassernerds
Millionen-Investitionen in die Trinkwasserqualität
Mareike Roszinsky / 17. Juni 2026
Mit dem Projekt „Reine Ruhr“ startete eine Qualitätsoffensive. Wir haben in zwei Jahrzehnten über 210 Millionen Euro in die Wasserwerke an der Ruhr investiert.
Der PFT-Skandal 2006 läutete eine neue Ära für die Wasserwerke an der Ruhr ein. Mit der „Arnsberger Vereinbarung“ und dem Programm „Reine Ruhr“ starteten sie eine Qualitätsoffensive für das Trinkwasser.
Ihre Mission: eine hohe Trinkwasserqualität sichern.
Ihre Vision: eine ökologisch basierte, resiliente und ökonomische Trinkwasserversorgung.
Team blau-grün als Treiber für Ressourcenschutz und Trinkwasserqualität
Wir haben die Entwicklung des Programms „Reine Ruhr“ von Beginn an maßgeblich angetrieben. Immer vor Augen, den natürlichen Wasserkreislauf zu stärken, den vorbeugenden Gewässerschutz zu optimieren für eine hohe Rohwasserqualität und so die Trinkwasserqualität und die Gesundheit von Millionen Menschen langfristig zu sichern.
Für uns als Team blau-grün gilt: Wir sind immer da! Sichere, zukunftsfeste Infrastruktur bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Vorausschauend zu agieren.
Der erste Schritt: Analysen
Um nach dem PFT-Skandal zukunftsfeste Entscheidungen für die Wasserwerke an der Ruhr treffen zu können, starteten wir gemeinsam mit der Wasserwerke Westfalen GmbH (WWW), der Wassergewinnung Essen GmbH (WEG) und der Westfälischen Umweltanalytik GmbH (WWU) eine umfassende Analyse.
Die Pilotuntersuchungen zwischen 2006 und 2008 zeigten, dass das naturnahe Aufbereitungsverfahren um zusätzliche technische Verfahrensstufen ergänzt werden muss.
Die UV-Desinfektion im Verbundwasserwerk Essen nach dem Bau 2016.
So wurden die Ruhr-Wasserwerke zukunftssicher
Wie wurden die bestehenden Aufbereitungsprozesse gezielt ergänzt?
Die Untersuchungen zeigten: Kornaktivkohle wurde zur Entfernung von Spurenstoffen als sinnvollste Lösung identifiziert – die Kombination aus Ozonung und Flockungsfiltration als optimale mikrobiologische Ergänzung. So entsteht ein resilientes System, das auch dann zuverlässig und sicher funktioniert, wenn sich die Anforderungen verändern. Zum Beispiel weil Spurenstoffe ins Rohwasser gelangen.
2010 starteten wir deshalb gemeinsam mit WWW und WGE das größte Umbauprojekt in unserer Geschichte mit über
- 210 Mio. Euro Investitionsvolumen
- 15 Jahren Planungs- und Umbauarbeiten
2026 geht das Mammutprojekt zu Ende: Zehn Jahre nach Fertigstellung der ersten vollständigen „Weitergehenden Aufbereitungsanlage“ (WAA) im Verbundwasserwerk Essen ist nun auch das letzte Wasserwerk in Halingen mit dieser Technik ausgestattet.
Die Ingenieurleistungen zur Planung, Bauüberwachung und Inbetriebnahme der neu zu errichtenden Wasseraufbereitungsanlagen bei WWW und WGE erbrachte unser Team blau-grün nahezu vollständig selbst!
Eine von vielen Investitionen: der Bau des Verbundswasserwerks der Wassergewinnung Essen.
Sechs Standorte – 17 Jahre Arbeit – ein Team
Insgesamt 17 Jahre dauerte der gesamte Prozess – voller intensiver Planungen und technischer Weiterentwicklungen. Geprägt von einer Konstante: der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit unseren Partnern.
„Unser Teamgeist war ein entscheidender Schlüssel für den Projekterfolg. Wir konnten unsere Erfahrungen stetig ausbauen und an neue Projektmitglieder weitergeben. Genauso wichtig und wertvoll war die sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Partnern. Wir haben an einem Strang gezogen und hatten den gemeinsamen Projekterfolg immer fest im Blick!“
David Warschke / GELSENWASSER AG
Getragen von der Expertise und dem Teamgeist unserer Kolleg*innen mit unterschiedlichen fachlichen Perspektiven haben wir das Mammutprojekt gestemmt.
Die zwei wichtigsten Schritte im Überblick
- 2009 bis 2016: die vorhandenen Aufbereitungsstufen der beiden bis 2015 autark betriebenen Wasserwerke Essen-Überruhr und Horst/Burgaltendorf wurden zu einem sogenannten Multi-Barrieren-System zusammengeführt und um weitere Aufbereitungsstufen ergänzt – Neubau des Verbundwasserwerks Essen (Wassergewinnung Essen)
- 2013 bis 2026: Bau der neuen Aufbereitungsstufen in den Wasserwerken Echthausen, Witten, Westhofen 1, Hengsen und Halingen (alle Wasserwerke Westfalen)
Das Wasserwerk Halingen nach der umfassenden Erweiterung der Aufbereitungsstufen.
Über 210 Millionen Euro wurden investiert
Zwischen 2009 und 2016 wurden die Aufbereitungen in Burgaltendorf und Überruhr zusammengeführt (zum so genannten Multi-Barrieren-System) und um technische Aufbereitungsstufen erweitert. Es entstand das neue Verbundwasserwerk Essen. Dort wurden rund 56 Mio. Euro investiert – in die neu errichteten Aufbereitungsstufen Aktivkohleadsorption, physikalische Entsäuerung und UV-Desinfektion.
Von 2013 bis 2026 folgte die zweite Ausbauphase mit dem Bau der weitergehenden Wasseraufbereitungsanlagen der Wasserwerke Echthausen, Westhofen 1, Hengsen und Halingen. Dort wurden Ozonung, Flockungsfiltration, Aktivkohleadsorption physikalische Entsäuerung und UV-Desinfektion neu gebaut.
Im Wasserwerk Witten kamen zur bestehenden Ozonung und Flockungsfiltration die Aktivkohle, physikalische Entsäuerung und UV-Desinfektion hinzu. Weitere 160 Mio. Euro für eine einwandfreie Trinkwasserqualität.
Im Juni 2026 wurde die weitergehende Aufbereitung im Wasserwerk Halingen fertiggestellt. Der letzte Bauabschnitt des Mammutprojektes, das auch für eines steht: Engagement und Expertise unseres Teams.
Das Wasserwerk Hengsen mit der neuen, erweiterten Wasseraufbereitung.
„Die Herausforderungen waren vielfältig. Insbesondere die intensiven Inbetriebnahmephasen vor Ort und die Einhaltung von Termin- und Kostenplänen trotz Lieferkettenproblemen und Energiekrise haben das Team stark gefordert.“
David Warschke / GELSENWASSER AG
Zukunft und Verantwortung für die Region
Die letzten 20 Jahren haben bestätigt: Neben den technischen Ergänzungen darf der vorsorgende Gewässerschutz auf keinen Fall vernachlässigt werden! Die Spurenstoffbelastungen der Ruhr liegen inzwischen nahezu vollständig unterhalb der für das Trinkwasser relevanten Grenz-, Leit- und gesundheitlichen Orientierungswerte. Doch Ressourcenschutz ist eine dauerhafte Herausforderung. Und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!
Nur wenn beides ineinandergreift, kann auch in Zukunft Trinkwasser in hoher Qualität aus dem Hahn fließen. Vertrauen bedeutet Verantwortung!