Die EEG-Umlage fällt 2018 etwas geringer aus. Der Strompreis bleibt aber nach wie vor hoch. Denn die Kosten der Energiewende müssen alle tragen. Es gilt also, Entgelte, Umlagen und Steuern gerechter zu gestalten.

Jeden Herbst werden ‎die Prognosen für die „Kosten der Energiewende“ für das nächste Jahr veröffentlicht. Die Kosten für den Umbau der Stromversorgung werden über so genannte „Umlagen“ berechnet – und über ein ziemlich kompliziertes System auf alle Beteiligten verteilt. Die prominenteste Umlage ist die EEG-Umlage für die regenerativen Energien, aber auch die Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) oder die für den Ausbau der Windkraft auf hoher See funktionieren auf die gleiche Art und Weise. Dazu kommen diverse Steuern, die auf den Strompreis aufgeschlagen werden.‎ Ein anderer  „Block“ sind die Netzentgelte, mit denen die Stromnetze finanziert werden.‎

Stadtwerke haben keinen Einfluss auf die Kosten der Energiewende

Die vom Staat veranlassten Kosten sind in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Zum Nachteil der Verbraucher, die angesichts der hohen Stromkosten viel tiefer in ihre Geldbörse greifen müssen. Öffentliche Kritik trifft dann meistens die Stadtwerke. Denn sie müssen die Kunden über die Preisanpassungen informieren‎. Doch die können eigentlich nichts dafür. Denn Stadtwerke haben gar keinen Einfluss auf die Kosten, sie müssen sie sogar selbst tragen! Und irgendwie „wiederholen“.

Die wahre Diskussion für die nächste Bundesregierung: Was kostet der Einsatz von Strom im Verkehrssektor und in der Wärmeversorgung? Und vor allem: für wen?

Spannender – weil beeinflussbar – ist dagegen die Diskussion, wie wir ein möglichst CO2-freies Wirtschaften und Leben hinbekommen. Ohne, dass unsere Gesellschaft oder auch Einzelne überfordert werden. Die Kosten gerecht zu verteilen wird genauso wichtig sein. Denn die Menschen werden nicht akzeptieren, wenn Ursache und Wirkung auseinander fallen. Oder wenn sie das Gefühl haben, dass nur sie die Kosten der Energiewende tragen.

Es ist also notwendig, genau und ehrlich zu prüfen, wie wir CO2 am günstigsten einsparen. Und sich das System der Verteilung über Entgelte, Umlagen und Steuern anzusehen und einfacher, nachvollziehbarer und gerechter zu gestalten. Es bleibt zu hoffen, dass sich die neue Bundesregierung diese Themen vornimmt.

Wie kommt der Strompreis eigentlich zustande?

Der Strompreis wird maßgeblich durch externe Vorgaben und Rahmenbedingungen beeinflusst. Marktlich bestimmte Faktoren machen dabei weniger als ein Fünftel aus. Er setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  • Der Stromlieferant kann gerade mal 19,4 Prozent  der Kosten direkt und selbst beeinflussen. Die entstehen durch Beschaffung und Vertrieb.
  • Jeder Stromlieferant zahlt ein Entgelt an den Netzbetreiber, das sogenannte Netzentgelt. Der Netzbetreiber sorgt dann wiederum dafür, dass der Strom zum Kunden transportiert wird. Der Anteil der Netzentgelte am Strompreis für den Haushaltskunden liegt bei 25,7 Prozent.
  • Den größten Anteil am Strompreis mit fast 55 Prozent machen Steuern, Abgaben und Umlagen zur Förderung der Erneuerbaren Energien (EE) aus.
    (Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW)

Ein wesentlicher Teil: Die Ökostrom-Umlage

Gemäß dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) erhält jede EE-Anlage eine feste Einspeisevergütung vom Netzbetreiber. Dies ist ein wichtiger finanzieller Anreiz für den Ausbau von Erneuerbaren Energien, verursacht aber Kosten. Die tragen alle gemeinschaftlich, und sie werden anhand der EEG-Umlage auf die Stromkunden verteilt. Diese Umlage fällt 2018 etwas geringer aus als zuvor, nämlich 6,79 Cent anstatt 6,88 Cent pro Kilowattstunde.

BDEW Grafik Strompreis Zusammensetzung

© Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

Netzentgelte finanzieren den Stromtransport

Die Netzentgelte erhebt der zuständige Netzbetreiber, der rund um die Uhr dafür sorgt, dass der Strom beim Verbraucher ankommt. In Deutschland steigen die Netzentgelte in den letzten Jahren, denn zum Beispiel der Ausbau der Erneuerbaren Energien verursacht erheblichen Investitionsbedarf. Die Anlagen produzieren Strom aus Wind und Sonne sehr wechselhaft und schwankend, das erfordert einen systematischen Netzausbau. Die Anlagen müssen ans Netz angeschlossen und technisch integriert werden.

Betreiber der Stromautobahnen erhöhen ihre Entgelte

Auch die großen „Stromautobahnen“ müssen finanziert werden. Sie sollen in Zukunft deutlich mehr Aufgaben tragen, zum Beispiel den gesamten Strom von der Nordsee quer durch das Land in den Süden transportieren. Dafür sind gewaltige Großprojekte der vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW geplant. Die großen Pläne machen sich bei den Kosten bereits bemerkbar.
Zum Herbst werden bis auf 50Hertz alle ihre Netzentgelte um etwa 50 Prozent anheben und diese Kosten an die Verteilnetzbetreiber weitergeben. Das haben sie Mitte Oktober angekündigt. Wie gesagt: Es passiert immer im Herbst.

So haben sich die Strombestandteile entwickelt: EEG und Netzentgelte

© Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

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