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Blick auf Leitungen und Rohre einer Biogasanlage.

Energiefreaks

Vom Kompost ins Gasnetz: Biomethan in der Wärmewende

Dr. Arnt Baer / 11. August 2026

Neue Energieanlagen im Bioenergiepark Saerbeck – so kann die Wärmewende vor Ort gelingen.

Biomethan ist ein wichtiger Baustein der Wärmewende. Es kann fossiles Erdgas ersetzen und in bestehenden Gasnetzen genutzt werden.

Im Bioenergiepark Saerbeck wird sichtbar, wie die Wärmewende vor Ort gelingen kann, indem Bioabfall für das heimische Erdgasnetz nutzbar gemacht wird. Mitte 2026 gingen dort neue Energieanlagen ans Netz, darunter eine Biogas-Aufbereitungsanlage und eine Biogas-Einspeiseanlage.

Unsere 100%-Tochter GELSENWASSER Energienetze GmbH (GWN) ist in der Region Verteilnetzbetreiber und hat dort eine Biogas-Einspeiseanlage gebaut. Zukünftig wird das im Bioenergiepark erzeugte Biomethan in das lokale Gasnetz eingespeist. So entsteht aus Bioabfällen ein klimafreundlicher Energieträger für Haushalte und Unternehmen.

Ende Juni 2026 wurden durch die Entsorgungsgesellschaft des Kreises Steinfurt (EGST) drei neue Energieanlagen am bereits bestehenden Kompostwerk eingeweiht:

  • eine Aminwäsche zur Gasaufbereitung
  • ein Biomasseheizkraftwerk
  • eine Klärschlammtrocknung

Die Erweiterungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Wärmewende endlich wieder Fahrt aufnimmt. Mit dem kürzlich im Bundestag beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) wird der Einsatz grüner Gase in der Wärmeversorgung gestärkt.

Warum wir solche Projekte umsetzen bzw. uns daran beteiligen?
Wir begegnen damit der Herausforderung, eine zukunftsfähige, klimaneutrale Wärmeversorgung sicher und technologieoffen zu gestalten!

Das Kompostwerk im Bioenergiepark Saerbeck: Dort werden jährlich rund 50.000 Tonnen Bioabfälle verarbeitet. Aus dem entstehenden Biogas wird durch eine Aufbereitung mit Aminwäsche Biomethan in Erdgasqualität erzeugt. © EGST

Das Kompostwerk im Bioenergiepark Saerbeck: Dort werden jährlich rund 50.000 Tonnen Bioabfälle verarbeitet. Aus dem entstehenden Biogas wird durch eine Aufbereitung mit Aminwäsche Biomethan in Erdgasqualität erzeugt. © EGST

Akzeptanz der Wärmewende braucht Wahlfreiheit

Die Wärmewende kann nur gelingen, wenn wir die lokalen Gegebenheiten mit den Stärken der unterschiedlichen Technologien kombinieren.

Nicht jedes Gebäude lässt sich kurzfristig und wirtschaftlich auf eine Wärmepumpe umstellen. In absehbarer Zeit wird keine ausreichende, bezahlbare Menge an grünem Strom für eine komplett elektrifizierte Wärmeversorgung verfügbar sein.

Und für die Akzeptanz ist es wichtig, dass das GModG den Bürger*innen mehr Freiheit bei der Wahl ihrer Heizung bietet. Klimaschutz funktioniert nur, wenn er pragmatisch auf die unterschiedlichen Situationen vor Ort eingeht. Bevölkerung sowie Infrastruktur nicht überfordert.

Auch in einem fossilfreien Energiesystem werden wir Moleküle brauchen. Gerade für Bestandsgebäude und Regionen ohne (Fern-)Wärmenetze spielen erneuerbare Gase eine zentrale Rolle.

Die Aminwäsche im Bioenergiepark Saerbeck: Hier das Biogas zu Biomethan in Erdgasqualität aufbereitet. © EGST

Die Aminwäsche im Bioenergiepark Saerbeck: Hier das Biogas zu Biomethan in Erdgasqualität aufbereitet. © EGST

Großes Potenzial im ländlichen Raum

Ein großer Teil des Potenzials für grüne Gase existiert bereits im ländlichen Raum. In Deutschland sind tausende Biogasanlagen in Betrieb.

Viele von ihnen erzeugen derzeit Strom über Blockheizkraftwerke und profitieren noch von der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Zahlreiche Anlagen fallen in den kommenden Jahren jedoch aus genau dieser Förderung heraus. Für die Betreibenden stellt sich dann die Frage nach einer wirtschaftlichen Perspektive.

Eine naheliegende Antwort lautet: Biomethan statt Strom. Anstatt das erzeugte Biogas weiterhin vor Ort fast ausschließlich zu verstromen, kann es auf Erdgasqualität aufbereitet und in das Gasnetz eingespeist werden.

Das schafft neue Vermarktungsmöglichkeiten für die Betreiber, nutzt bestehende Infrastruktur und erhöht die verfügbare Menge an erneuerbaren Gasen.

Das Biomethan kann über die Einspeiseanlage der GELSENWASSER Energienetze GmbH in das Erdgasnetz eingespeist werden und fossiles Erdgas ersetzen.

Das Biomethan kann über die Einspeiseanlage der GELSENWASSER Energienetze GmbH in das Erdgasnetz eingespeist werden und fossiles Erdgas ersetzen.

Markthochlauf jetzt gezielt angehen

Mit der Wärmewende werden wir einen größeren Markthochlauf der grünen Gase brauchen als bisher. Der zukünftige Bedarf lässt sich nicht allein durch Eigenerzeugung decken.

Deutschland wird daher, wie beim Wasserstoff auch, auf Importe von Biomethan angewiesen sein. Das Potenzial in Ländern wie Frankreich oder auch irgendwann hoffentlich wieder der Ukraine ist groß genug.

Für einen Markthochlauf gibt es mehrere Möglichkeiten. Wie eine punktgenaue Förderung und vor allem die in der zweiten Jahreshälfte vom Bundeswirtschaftsministerium noch näher zu entwickelnde Grüngasquote.

Auch die berechtigte Frage des Vertrauens von Grüngasprodukten kann durch ein kluges Zertifizierungssystem gelöst werden. Beispiele dafür gibt es in anderen Märkten, etwa beim Treibstoff.

Gruppenbild mit vielen Menschen bei der Einweihung der neuen Anlagen im Bioenergiepark Saerbeck.

Einweihung der neuen Anlagen im Bioenergiepark Saerbeck mit unseren Gelsenwasser-Kolleg*innen (in dunkelblau) sowie Vertreter*innen der EGST, der Politik und bauausführender Unternehmen. © EGST

Ein Projekt mit beispielhaftem Charakter

Die neuen Anlagen in Saerbeck sind weit mehr als ein regionales Infrastrukturprojekt. Sie stehen beispielhaft für einen Weg, den Deutschland künftig häufiger gehen könnte:

  • regionale Ressourcen nutzen
  • bestehende Energienetze einbinden
  • und grüne Gase dort bereitstellen, wo sie vorhanden sind und gebraucht werden

Die Wärmewende wird nicht allein im Stromnetz gelingen. Die Klimakommune Saerbeck zeigt, wie die Praxis aussehen kann.

Hintergrundinfo: Bioenergiepark Saerbeck

Im Bioenergiepark Saerbeck werden jährlich rund 50.000 Tonnen Bioabfälle verarbeitet. Aus dem entstehenden Biogas wird durch eine Aufbereitung mit Aminwäsche Biomethan in Erdgasqualität erzeugt. Dabei steigt der Methangehalt von 54 auf 98 Prozent. Das Biomethan kann anschließend über die neue Einspeiseanlage der GELSENWASSER Energienetze GmbH in das Erdgasnetz eingespeist werden und fossiles Erdgas ersetzen.

Für die Biomethanaufbereitung wird Prozesswärme benötigt, die ein neues Biomasseheizkraftwerk bereitstellt. Die erzeugte Wärme wird außerdem für die Klärschlammtrocknung genutzt. So verbindet das Projekt regionale Abfallverwertung, erneuerbare Energieerzeugung und Klimaschutz in einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

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Autor*in

Dr. Arnt Baer

Ich leite seit 2014 die Abteilung "Politik und Verbände" bei Gelsenwasser. In dieser Position bin ich Host unseres Politikpodcasts GLASKLAR.