Das Wasserwerk in Bochum-Stiepel ist jetzt eine Stromfabrik. Die Stadtwerke Bochum und Gelsenwasser haben es für insgesamt 3,8 Mio. Euro umgebaut. Seit Januar 2018 wird dort Ökostrom aus Wasserkraft gewonnen.

105 Jahre wurde im Wasserwerk Stiepel Trinkwasser für Menschen in der Region gewonnen. Seit Jahresbeginn 2018 hat das alte Werk eine neue Aufgabe: Es ist zur Stromfabrik geworden. Generatoren erzeugen dort jetzt mit der Wasserkraft der Ruhr Ökostrom.

Stadtwerke Bochum und Gelsenwasser steckten 2,6 Mio. Euro in den Umbau

Dazu haben die Stadtwerke Bochum und Gelsenwasser, die das Wasserwerk gemeinsam betreiben, insgesamt 3,8 Mio. Euro investiert. Das Geld ist sehr gut angelegt. Denn jetzt wird dort Ökostrom für rund 2.000 Haushalte produziert – etwa 5,4 Mio. Kilowattstunden pro Jahr.

Gut zu wissen
Das Werk wird jetzt von der Wasserbeschaffung und Energieerzeugung Mittlere Ruhr GmbH (kurz WMR) betrieben, einer Tochtergesellschaft der GELSENWASSER AG und der Stadtwerke Bochum.

Dazu wurden die vier Wasserwerks-Turbinen umgebaut. Zwei waren bereits mit Generatoren gekoppelt. Sie wurden verbessert, damit sie mehr leisten können – die beiden anderen wurden mit Generatoren ausgestattet. Außerdem wurde ein neuer Transformator eingebaut. So können jetzt zirka 5,2 Mio. Kilowattstunden Ökostrom erzeugt werden. Vorher waren es etwa 3,6 Mio. Kilowattstunden. Der Ökostrom wird in das Stromnetz eingespeist und nach dem EEG-Gesetz vergütet.

Der große Rechen im Wasserkraftwerk Bochum-Stiepel wurden erneuert.

Auch der große Rechen im Triebwasserkanal, der Treibgut aus dem Wasser holt, wurde erneuert.

Auch der große Rechen im Triebwasserkanal, der Treibgut aus dem Wasser holt, wurde erneuert.

„Das aufwendige Projekt wurde termingerecht und im geplanten Budget realisiert. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass zwischen Baubeginn und Probebetrieb lediglich acht Monate lagen.“
Dr. Dirk Waider, technischer Vorstand Gelsenwasser

Fische können weiter flussaufwärts schwimmen

Allein der Ausbau der Wasserkraft kostete 2,6 Mio. Weitere 1,2 Mio. Euro wurden in die so genannte Fischaufstiegsanlage investiert. Die „Fischtreppe“ wurde neben dem Treibwasserkanal gebaut. Sie besteht aus 27 Becken. So können Fische weiter flussaufwärts schwimmen und die 3,60 Meter Höhenunterschied des Wehrs überwinden. Das ist wichtig für den Fischbestand in der Ruhr.

Fischarten in der Ruhr
Hecht, Barsch, Aal, Zander, Wels, Rotauge, Brasse, Güste, Barbe, Schuppenkarpen und andere.

So werden Gewässer- und Tierschutz sowie Ökostrom-Produktion unter einen „grünen Hut“ gebracht.

Die Fischaufstiegsanlage im Wasserkraftwerk Bochum-Stiepel mitten im Bau.

Die Fischaufstiegsanlage im Wasserkraftwerk Bochum-Stiepel mitten im Bau.

 

Nachrüsten wäre zu teuer gewesen

Zirka 14 Mio. Kubikmeter Trinkwasser wurden pro Jahr im Wasserwerk Stiepel gewonnen. Das Wasser dafür kam allerdings nicht direkt aus der Ruhr. Stattdessen wurde Grundwasser verwendet, das durch den Schotter am Ruhrufer sickerte und so auf natürliche Weise vorgereinigt wurde. Dazu gab es über 70 Brunnen an beiden Uferseiten.
Im November 2015 wurde das Wasserwerk Stiepel dann abgeschaltet. Der Grund: Die gesetzlichen Vorgaben für die Wasserqualität wurden verschärft. Die Stadtwerke Bochum und Gelsenwasser hätten mehr als 20. Mio. Euro investieren müssen, um das Wasserwerk für diese Anforderungen nachzurüsten. Das war zu teuer. Deshalb wurde nach einer anderen Lösung gesucht.
Jetzt wird zwei Drittel der Wassermenge, die früher aus Stiepel kam, durch das Wasserwerk Witten-Heven, abgedeckt. Dazu wurde eine neue Leitung vom Wasserwerk Witten-Heven durch das Lottental gelegt. Der Rest kommt vom Wasserwerk in Essen-Horst.
Erbaut wurde das Wasserwerk Stiepel übrigens 1910. Es wurde zuletzt 1996 komplett modernisiert.

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© GELSENWASSER AG / Rafael Schemmer