Die Infrastruktur für Wasser muss gepflegt werden. Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider diskutierte in Berlin mit kommunalen Sprechern der Bundestagsfraktion, VKU und DVGW über den „Schatz unter der Straße“.

Der Sommer 2018 – heiß und mit wochenlanger Trockenheit – hat nachhaltigen Eindruck auf die Politik gemacht. Einige Regionen stießen bei der Wasserversorgung an ihre Grenzen. Klimawandel und demografische Entwicklung des ländlichen Raums sind große Themen für die Wasser-Infrastruktur. Sie stellen die Wasserversorgung vor neue, große Herausforderungen.

VKU-Vizepräsident Karsten Specht, VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherine Reiche, Vorstandsvorsitzender des DVGW Prof. Dr. Gerald Linke und DVGW-Vizepräsident Dr. Dirk Waider.

VKU-Vizepräsident Karsten Specht, VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherine Reiche, Vorstandsvorsitzender des DVGW Prof. Dr. Gerald Linke und DVGW-Vizepräsident Dr. Dirk Waider.

Genau darüber diskutierte Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider – zugleich auch Vizepräsident des Deutschen Verbandes des Gas- und Wasserfaches (DVGW) – mit den kommunalen Sprechern der Bundestagsfraktionen und den Wasserverbänden in Berlin. Welche Schlüsse zogen sie aus dem „Jahrhundertsommer“? Oder: Wie kann der „Schatz unter der Straße“ zukunftsfest und langfristig gesichert werden?
Einig war man sich mit der Feststellung, dass technische Notwendigkeiten und politische Ziele bei der Wasserversorgung oft nicht Hand in Hand gehen. Politik und Technik müssen daher unbedingt den begonnenen Dialog fortführen. Denn niedrige Wasserpreise und Abwassergebühren seien zwar kurzfristig im Interesse der Bürger und aufgrund der sozialen Bedeutung des Gutes „Trinkwasser“ immer erstrebenswert.

Der Schatz unter der Straße: Infrastruktur muss gepflegt werden

„Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Infrastruktur gepflegt werden muss, damit sie entsprechend lange erhalten bleibt“, sagt Dr. Dirk Waider. Die Aquädukte des römischen Reiches seien ein gutes Beispiel dafür, über welche Zeiträume und Qualitätsstandards man im Leitungsbau rede. Man könne nicht erst dann flicken, wenn Schäden offensichtlich seien, zu diesem Zeitpunkt sei es deutlich teurer oder gar zu spät.
Professor Gerald Linke vom DVGW pflichtete dem Gelsenwasser-Vorstand bei. Die hohen technischen Standards zielten genau darauf ab, Schäden und Substanzverluste rechtzeitig zu vermeiden. Daher sollten diese eigentlich überall in Deutschland angewendet werden, so Linke.

Transparenz ist Grundvoraussetzung und Herausforderung zugleich

„Eine transparente Kommunikation ist in Zeiten, in denen jeder Kunde sich selbst im Internet informieren kann, absolut zwingend“, so Dr. Waider. Ansonsten laufe man Gefahr, das hohe Vertrauen der Branche zu verlieren – was anderen Institutionen wie Kirche, Banken oder auch Politik schon passiert ist.
Transparenz sei auch eine Grundvoraussetzung für einen professionellen Umgang mit dem eigenen „Schatz unter der Erde“. „Da bei der Verlegung der Leitungen in den 1950er oder 1960er Jahren oft nicht sachgemäß dokumentiert worden ist, wissen viele Versorger gar nicht exakt, wie es um ihre Infrastruktur bestellt ist.“ In der Folge sei es sehr schwierig, gezielt und effizient zu investieren. Dadurch kämen in den nächsten Jahren große Herausforderungen auf die Branche zu, so Waider.

Ländliche Räume brauchen gleiche Lebensverhältnisse

Und auch eine zweite Frage bewegte die Teilnehmer des Kongresses: Wie können Menschen in ländlichen Regionen, trotz der Verstädterung der Gesellschaft, gleichwertige Lebensverhältnisse geboten werden? Einige Vertreter waren der Auffassung, das könne ohne gezielte Förderung schlicht nicht gelingen. Die Bundesregierung wird dazu im Herbst eine hochrangig besetzte Kommission mit mehreren Ministerien, Ländern und kommunalen Vertretern einberufen.
Dr. Dirk Waider sieht da ein weiteres Thema, für das der Gesetzgeber verantwortlich ist: Es sei eine Ungleichbehandlung, wenn in der EU-Trinkwasserrichtline unterschiedliche Transparenzpflichten und Untersuchungshäufigkeiten für Wasserqualität diskutiert würden.

Denn der Bürger einer kleinen Kommune hat die gleiche Transparenz und Qualität verdient wie derjenige, der in einer Großstadt lebt. Gleiches Recht für alle.

Hohes Niveau an allen zentralen Stellen sichern

Insgesamt sprachen sich fast alle Teilnehmer für eine Professionalisierung beim Umgang mit Fragen der Wasserwirtschaft aus. Gesprächspartner auf Augenhöhe in den Ministerien und Behörden seien für die Branche sehr wichtig. Denn beispielsweise die Entscheidung zum Abkochen von Wasser könne nicht vom Wasserversorger kommen. Hier dürfe nicht an der falschen Stelle gespart werden.
Angesprochen auf einen konkreten Wunsch für die nächsten Monate sprach sich Dr. Waider für eine Umstellung der Agrarförderung auf EU-Ebene aus. Würde man die Förderung konsequent an ökologische Kriterien anpassen, wären wir einen echten Schritt weiter.

Gelsenwasser präsentierte vor Ort das Modell der "Schirmspülung". Mit dem speziellen Kunststoff-Schirm an einer Seilkonstruktion können Partikel und Organismen an der Rohrinnenwand in der Trinkwasserleitung entfernt werden

Gelsenwasser präsentierte vor Ort das Modell der „Schirmspülung“. Mit dem speziellen Kunststoff-Schirm an einer Seilkonstruktion können Partikel und Organismen an der Rohrinnenwand in der Trinkwasserleitung entfernt werden.

Die Branche wird schon bald Gelegenheit haben, diese Schritte mit der Bundespolitik zu diskutieren. Denn Mitte Oktober startet der Nationale Wasser-Dialog des Bundesumweltministeriums.

LINKS
Pressemitteilung des DVGW
Pressemitteilung des VKU
BLOG: Schirmspülmodell gewinnt Innovationspreis

FOTOS
Titelbild römisches Aquädukt: ©fotolia.com / #207298420 / Urheber: Can
Veranstaltung in Berlin: ©VKU Service Bildschön