Aktuelle Umfrage von forsa: Viele Bürger erkennen das Tandem Erneuerbare und Gasnetz als untrennbare Partner

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa betrachten 54 Prozent der Deutschen Erdgas als die beste Ergänzung zu den erneuerbaren Energien. Erst mit 22 Prozent folgen Holz, Öl (20 Prozent) und die Auslaufmodelle Kernenergie (17 Prozent) und Kohle (14 Prozent).
Interessant ist auch, dass 52 Prozent der Befragten den Bedarf an Erdgas als steigend einschätzen, nur 19 Prozent hingegen einen sinkenden Absatz prognostizieren. Nun kann man davon ausgehen, dass es sich bei den meisten Befragten nicht um Energiewende-Experten handelt, die technische und wirtschaftliche Fakten im Detail kennen. Gerade deswegen sind solche Umfragen aber aufschlussreich, weil sie die Stimmung der Gesellschaft zu einem Thema unbeschönigt wiedergeben. Die Euphorie bei vielen Menschen in Bezug auf eine schnelle Dekarbonisierung* der Gesellschaft durch die Energiewende ist leider ein wenig verflogen. Die Stimmen der Skeptiker in Bezug auf Kosten und Machbarkeit des Projekts verschaffen sich nach und nach Gehör.

* Einfach erklärt
Auch Entkarbonisierung: Gemeint ist das Reduzieren von Kohlenstoff, um weniger CO2 zu produzieren. Das ist ein großes Ziel des Klimaschutzes
ewi-Studie zeigt: Unsere Infrastruktur verschafft uns Zeit für CO2-freie Versorgung.

forsa-Umfrage zur Rolle von Erdgas bei der Energiewende

Für 54 Prozent der Befragten stellt Erdgas die beste Ergänzung zu den erneuerbaren Energien dar, um die Versorgung sicherzustellen.

ewi-Studie zeigt: Unsere Infrastruktur verschafft uns Zeit für CO2-freie Versorgung

Es gibt aber keinen Grund, nach dem ersten Drittel der Strecke aufzugeben! Studien wie die von Gelsenwasser gemeinsam mit Open Grid Europe und der RheinEnergie oder auch die gerade veröffentlichte DENA-Studie zeigen, dass Deutschland die Klimaziele erreichen kann.

Es gibt sogar mindestens zwei denkbare Wege, die Energie- und Wärmeversorgung annähernd CO2-frei zu gestalten. Dabei drängt sich eine politische Lösung auf, die bei der Wahl der richtigen Heizung auf Technologieoffenheit setzt – und die vorhandenen Infrastrukturen wie die kommunalen Gas- und Wärmnetze voll einbindet. Die Studie des Energiewissenschaftlichen Instituts der Universität zu Köln, kurz ewi, zeigt, dass uns die Netze die nötige Zeit geben werden genau die Technologien weiter zu entwickeln, die wir für eine CO2-freie Versorgung benötigen. Egal, ob Stromspeicher, Elektromobilität, digitale Steuerungssysteme für die schwankenden Erneuerbaren oder moderne Formen der Elektrolyse für die Umwandlung in Methan oder Wasserstoff. Das ist wichtig, denn keine dieser Technologien ist schon weit genug für den flächendeckenden, wirtschaftlichen Einsatz.

Ein Umdenken in Brüssel?

Auch die europäische Politik, der hin und wieder der Vorwurf gemacht wird, ihre Agenda zu generalstabsmäßig und fern jeder operativen Problemlagen durch zu drücken, straft in Bezug auf Klimaschutz in der Wärmeversorgung ihre Kritiker Lügen. Es gibt ein Umdenken zur Rolle von Erdgas, was öffentliche Äußerungen von Vertretern der EU-Kommission und Studien wie „Quo vadis“* belegen. Die Partnerschaft von Gas und Erneuerbaren aufgrund ihrer ergänzenden Eigenschaften und dem in weiten Teilen Europas sehr gut ausgebauten Gasnetz, wird nicht nur mit Blick auf die nächsten fünf Jahre erkannt – sondern weit darüber hinaus. Auch die Rolle von power-to-Gas wird die Kommission in den kommenden Monaten systematisch bewerten.

* Einfach erklärt
Quo vadis ist eine EU-Studie zum Gasmarkt. Untersucht wird die Funktion des EU-Binnenmarkts für Erdgas. Mehr erfahren: https://ec.europa.eu/energy/en/studies/study-quo-vadis-gas-market-regulatory-framework

Wir müssen der Gesellschaft beweisen, dass Energieversorgung und Energiewende auch bezahlbar möglich sind. Sonst wird das Engagement der Menschen sinken.

Grafik ewi-Studie Energiewende nur mit Gasinfrastruktur, Gasnetz

Viele Unsicherheiten bis 2050 lassen keine starre Planung des Energiesystems zu

Neben dem Vorteil der Flexibilität gibt die ewi-Studie aber auch einen zweiten entscheidenden Hinweis: Verzichtet man auf die politische Versuchung, das System durch künstliche Eingriffe brachial auf Strom umzustellen, spart unsere Volkswirtschaft Kosten in Höhe von 140 Mrd. Euro. Das sind Kosten, die durch den Umbau einer neuen Netzinfrastruktur, neuer Spitzenlastkraftwerke und nötiger Stützen für Altbauten mit Wärmepumpe wie die zentimeterdicke Dämmung von Wänden, zwangsläufig entstehen.

Auch die Netzentgelte steigen dadurch natürlich – und damit die Kosten gerade für die Menschen, die sich ihre Heizung aufgrund sozialer oder mietbedingter Verhältnisse eben nicht aussuchen können. In der forsa-Umfrage gaben 67 Prozent der Bürger an, die Bezahlbarkeit der Energiewende sei für Sie entscheidend.
Dieser Wert ist höher als bei Umfragen der vergangenen Jahre und sollten uns in der Branche eine Warnung sein. Denn gleichzeitig geben etwa zwei Drittel an, dass sie mit Komplikation bei der Umsetzung der Energiewende rechnen. An diesen Punkten droht die Energiewende irgendwann an einen Scheideweg zu geraten. Wenn wir mit klugem Augenmaß alle Möglichkeiten zum CO2-Sparen nutzen, die sich auf dem Weg technologisch bieten, dann werden wir beweisen, dass ein System – getragen durch die Erneuerbaren Energien – für alle bezahlbar und stabil ist. Sollten aber die sozialen Folgen und Kosten aus dem Blick geraten oder keine echte Versorgungssicherheit mehr gewährleistet werden können, dürfte die Akzeptanz für das gesamte Projekt verloren gehen. Das sollte uns nicht passieren!

Lesen Sie mehr zum Thema: Auf unserem Blog zur EWI-Studie von Gelsenwasser, RheinEnergie und Open Grid Europe.

LINKS

Pressemitteilung Zukunft Erdgas
EWI-Studie: Energiemarkt 2030 und 2050 – Der Beitrag von Gas- und Wärmeinfrastruktur zu einer effizienten CO2-Minderung 
DENA-Leitstudie Integrierte Energiewende
Study on Quo vadis gas market regulatory framework

FOTOHINWEISE

Grafik Forsa-Umfrageergebnis, Quelle: Zukunft Erdgas
Grafik Technologieoffenheit, Quelle: ewi Energy Research & Scenarios gGmbH