Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit Erdgas könnte helfen, das Klima zu schützen und unsere Energieversorgung zu sichern. Die Politik muss die Weichen dafür stellen, tut sich aber schwer.

Mit der KWK-Technik wird Strom erzeugt und gleichzeitig die dabei entstehende Wärme zur Versorgung genutzt. Die Technik ist klimaschonend, wenn die Anlagen mit Erd- bzw. Biogas laufen. Die Bundesregierung muss entscheiden, ob sie das große Potenzial der KWK ausschöpfen möchte.

Dabei gibt es gute Argumente für die KWK-Technik:

  • Die Kraft-Wärme-Kopplung kann schrittweise in die Lücke springen, die Kohle- und Atomenergie-Ausstieg hinterlassen.
  • Mit dezentraler KWK kann man im Quartier viel CO2 einsparen.

KWK-Bundeskongress: Politik zieht Zukunft der Branche in den Fokus

Auf dem Jahrestreffen des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK) in Berlin wurde deutlich, wie tiefgreifend die Entscheidungen der Politik auf die Zukunft der Branche wirken könnten.
Dort setzte die Politik ihre Verhandlungen auf dem Podium fort. Die schienen vor allem beim Thema „zusätzliche 8 Gigawatt Windenergie“ festgefahren – auf Kosten der KWK. Mittlerweile scheint ein Kompromiss gefunden. Denn die nötigen Gesetzesänderungen für die kommunalen Projekte zur Eigenversorgung wie Schwimmbäder, Schulen und Krankenhäuser sollen gemeinsam mit dieser Frage in den Bundestag gehen. Hoffentlich wird das nicht wieder verschoben.

Nach dem Ende der Kernenergie 2022 brauchen wir eine verlässliche Stromerzeugung

Der Ausstieg aus der Kernenergie ab 2022 ist beschlossen. Ende des Jahres soll über einen Zeitplan für das Ende der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle entschieden sein. Es wird dabei sicher eine Übergangszeit geben, was exakte Zeitangaben schwierig macht. Aber man muss sich rechtzeitig Gedanken machen, wie beide Energieträger ersetzt werden.
Noch 2017 wurden etwa 50 Prozent unseres Stromes aus Kohle und Atom erzeugt. KWK-Kraftwerke machen immerhin 35 GW aus: Das ist mehr als ein Drittel der „gesicherten Leistung“, die zur Verfügung steht, wenn Wind und Sonne keine Energie liefern. Zumindest die Anlagen, die mit Gas betrieben werden, sollten als Sockel also am Netz bleiben.
Wenn man eine Reihenfolge für das Abschalten fossiler Energieträger festlegen muss, dann scheint der Ansatz des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) konsequent: Die Schädlichsten zuerst, die effizientesten Fossilen zuletzt. Das hieße, dass erst die Braunkohle, dann die Steinkohle, dann die Kohle-KWK aus dem Markt genommen werden müssten. KWK hätte dann eine langfristige Zukunft. So würde für den Klimaschutz am besten CO2 vermieden.

Es braucht einen sehr guten Plan, um 50 Prozent des Strommixes umzustellen und die Versorgungssicherheit zu garantieren. © Strom-Report

Es braucht einen sehr guten Plan, um 50 Prozent des Strommixes umzustellen und die Versorgungssicherheit zu garantieren. © Strom-Report

KWK spart ca. 30 bis 60 Mio.Tonnen CO2 pro Jahr

Ein erheblicher Anteil der KWK läuft mit CO2-armem Biogas. Der größte Teil immerhin mit Erdgas, das deutlich kliamschonender ist als Kohle. Natürlich nicht emissionsfrei: Wenn Deutschland irgendwann zu 95 Prozent dekarbonisiert sein soll, brauchen wir andere Lösungen, so wie Power-to-Gas. Aber bis dahin könnten wir die Emissionen kurzfristig deutlich senken.

Gas dominiert die KWK-Stromerzeugung. Kohle aber auch noch stark vorhanden. Das schafft Spielraum für CO2-Senkungen. © Statistisches Bundesamt / Öko-Institut / ZSW / EEFA

Gas dominiert die KWK-Stromerzeugung. Kohle aber auch noch stark vorhanden. Das schafft Spielraum für CO2-Senkungen. © Statistisches Bundesamt / Öko-Institut / ZSW / EEFA

Dezentrale KWK kann schrittweise in die „Versorgungs-Lücke“ springen

Ein neuer Bericht des Wirtschaftsministeriums zur Zukuft von KWK weist darauf hin, dass die erneuerbaren Energien Wind und Photovoltaik weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig wird sich der Markt für die anderen Energieträger natürlich immer weiter verkleinern. Auch für die KWK. Daher ist es ratsam, künftig mehr kleinere, dezentrale Anlagen zu bauen.

  1. Sie brauchen nicht so viele Kunden und Abnahmemengen, um effizient zu sein.
  2. Ein Netz aus kleinen Anlagen hätte zudem den Vorteil, dass der Ausfall einzelner Anlagen besser aufgefangen werden könnte.
  3. Außerdem vergrößert sich der Trend der Eigenversorgung in der Bevölkerung.

Auch das ist bei der Partei „Die Grünen“ ein wesentliches Argument für die Dezentralisierung. Die Menschen wollen sich möglichst unabhängig versorgen. Solche Anlagen machen das möglich. Gelsenwasser setzt bereits auf die kleineren, gasbasierten Anlagenklassen.

Fördersätze für KWK werden überprüft und müssen verlängert werden

Die Sicht der Politik auf die Kraft-Wärme-Kopplung scheint noch immer etwas indifferent. Durch die Bank äußerten sich die Vertreter der einzelnen Fraktionen auf dem B.KWK positiv (auf feinem Branchen-Kongress ist das allerdings erwartbar).
Aber Taten lassen noch immer auf sich warten. Das Fördergesetz läuft 2022 aus, noch hat man sich nicht zu einer Verlängerung durchgerungen. Die Fördersätze stehen auf dem Prüfstand und werden wahrscheinlich gekürzt.

Fördersätze für KWK werden überprüft und müssen verlängert werden.

Es braucht ein deutsches Gesetz: Die Fördersätze für KWK müssen verlängert werden. © Zukunft Erdgas

Deutsches Gesetz muss nach Einigung mit Brüssel jetzt kommen!

Mit der europäischen Kommission wurde verhandelt, dass teilweise finanzielle Entlastungen bei der Eigenversorgung – trotz beihilferechtlicher Bedenken – erhalten bleiben. Aber auch diese Regel muss erst noch ins Gesetz. Ohne diese Regelung wird es nach Einschätzung vieler im Markt sehr schwierig, Projekte umzusetzen. Als Grund gilt immer wieder eine angebliche Überförderung – von der aber höchstens bei industriellen Projekten die Rede sein kann.

Quartier als Lösungen braucht eine konkrete Definition

Das Quartier ist die neue maßgebliche Einheit für sämtliche politischen Ziele für Wohnungsmarkt, Sozialpolitik, demographischen Wandel, Generationengerechtigkeit und Wärmemarkt.
Viele Kommunen und Privateigentümer wünschen sich, etwas für den Klimaschutz zu tun und denken dabei an Sanierungsmaßnahmen, die nicht nur das einzelne Gebäude betreffen, sondern mehrere Immobilien, Straßenzüge oder Viertel. Es existiert aber noch keine einheitliche Definition des Quartiers, und daher kein einheitliches Verständnis der rechtlichen Folgen. Würden Rechte und Pflichten bei der Effizienz stärker weg vom Gebäude hin auf das Quartier gelenkt, hätten Planer, Architekten und Stadtwerke mehr Spielraum, sinnvolle technische Maßnahmen umzusetzen.

Der zuständige Staatssekretär Thomas Barreiß versicherte auf dem Podium, der Konflikt um die Erneuerbaren sei bis Ende des Jahres gelöst. Die Lösung kam zum Glück schneller. Damit kämen auch die ersten KWK-Regeln für die dezentrale Eigenversorgung ins Gesetz. Der weitergehende 250-Seiten starke Bericht des Wirtschaftsministeriums zur Zukunft der Kraft-Wärme-Kopplung wird in der Politik gerade diskutiert. Bislang ist es nur ein Entwurf. Einige der Rechnungen, Prämissen und Schlussfolgerungen darin werden fachlich angezweifelt.

Viel zu tun also für die Branche!


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Quartiere: Lösung für die Wärmewende?


Was ist Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)?

Bei der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird elektrische Energie eingesetzt und gleichzeitig in Wärme umgewandelt. Das passiert in dezentralen, technischen Anlagen. So werden Emission reduziert. Studien zeigen, dass Nahwärmelösungen mit Gas-KWK die geringsten Wärmekosten entstehen.