Am 5. September fand im Landtag eine Anhörung des Umweltausschusses zum Thema „Gewässerschutz voranbringen – Mikroplastik reduzieren“ statt. Ingrid Gerard aus dem Fachbereich Abwasser bei Gelsenwasser war als Sachverständige eingeladen und hatte die Möglichkeit, ihre Expertise vor den Abgeordneten zu vertreten.

Mikroplastik sind winzige Kunststoffteilchen, die zum Beispiel in Autoreifen, Kosmetikprodukten oder Waschmitteln vorkommen, in den Wasserkreislauf gelangen und damit letztlich auch in unsere Trinkwasserressourcen – die Gewässer und Seen. Auch durch die Verwitterung von Verpackungsmaterial kann es entstehen, wenn beispielsweise Plastiktüten unachtsam in die Umwelt entsorgt werden.

Die Abgeordneten stellten den Vertreterinnen und Vertretern der Kosmetikindustrie, der Kunststoffproduzenten, Gelsenwasser sowie dem Verfasser der prominenten Fraunhofer-Studie zu Mikroplastik, bei der Gelsenwasser ebenfalls intensiv mitgearbeitet hat, viele Fragen und zeigten sich sehr interessiert an Lösungen. Diskutiert wurden Maßnahmen an Kläranlagen, kleine Filter an Kanalschächten aber auch Vorsorge- und Vermeidungsthemen. Es zeigte sich schnell, dass die verarbeitende Industrie Regulierung ablehnt, maximal auf Selbstverpflichtung abstellt und im Wesentlichen auf Verhaltensänderungen im Konsum setzt.

Anhörung des Umweltausschusses im Landtag NRW.

Anhörung des Umweltausschusses im Landtag NRW.

Es gibt Forschungsbedarf

Kläranlagen können einen großen Prozentsatz an Feststoffen aus dem Abwasser zurückhalten und entfernen. Inwieweit auch Mikroplastikpartikel zurückgehalten werden, ist bis jetzt noch nicht ausreichend geklärt und wird zurzeit in mehreren Forschungsprojekten untersucht. Erst nach Vorliegen der Ergebnisse können Aussagen gemacht werden, ob die Einführung weiterer Reinigungsstufen überhaupt den gewünschten Mehrwert erzielen kann. Moderne Kläranlagen können zwar bereits einen Großteil der winzigen Partikel entfernen. Neben Abwasser gibt es noch zahlreiche weitere „Eintragspfade“. Diese müssen ebenso identifiziert und vor allem reduziert werden.

Vermeidung an der Quelle – Vorsorgeprinzip muss gelten

Anstatt über weitere Reinigungsstufen nachzudenken und die Abwasserwirtschaft als alleinigen Entsorger von Mikroplastik zu sehen, sollte vielmehr im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip aus dem Umweltrecht, eine Lösung an der Quelle gefunden werden. So sollte die Anwendung von Chemikalien in Kunststoff besser kontrolliert werden.
Nachhaltig ist es, die Menge an Kunststoff, die in die Umwelt gelangt, drastisch zu verringern. Stoffe, die gar nicht erst ins Wasser gelangen, müssen anschließend nicht mit hohem Aufwand aus dem Wasser wieder entfernt werden.

Beim Weltwassertag 2017 steht Abwasser im Mittelpunkt.Zur Verbesserung des aktuellen Zustands sind viele Maßnahmen mit unterschiedlich großer Hebelwirkung denkbar: Da die Verwendung von Plastik in Kosmetikprodukten nicht notwendig ist, wäre hier ein bundes- oder sogar EU-weites Verbot zielführend. Ebenso könnten Filtersystem in Waschmaschinen Partikel aus Kleidung und Waschmitteln zurückhalten, bevor sie in die Umwelt gelangen. Ganz entscheidend für eine wirksame Vermeidung von Plastikmüll, ist die Erhöhung der Recyclingquote von Verpackungen. Denn viel zu viel Plastikmüll gelangt durch achtloses Wegwerfen in die Umwelt. Es ist höchste Zeit, das Aufkommen von Plastikverpackungen einzudämmen und die Notwendigkeit von z.B. eingeschweißten Gurken zu hinterfragen. Auch die Aufbringung von Klärschlamm auf den Feldern der Bauern ist kritisch zu betrachten, da sich auch hier Plastikpartikel wiederfinden können, die dann durch Regen wieder in den Wasserkreislauf gespült werden.

Nach einer Stunde war die Anhörung im Ausschuss beendet. Ob die Fraktionen aus den Erkenntnissen konkrete Schlüsse ziehen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Wir werden die Entwicklungen eng und kritisch begleiten.

 

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