Teil 3 unserer Serie über Pott, Pütt und Wasser. Nach dem Krieg ist der Bergbau im Ruhrgebiet der Motor des deutschen Wirtschaftswunders. Die Wasserversorgung läuft auf Hochtouren. 1959 verzeichnete Gelsenwasser sogar einen Wasserrekord.

Unsere Blog-Serie zum Abschied von der Kohle

Der Pott, die Kohle und das Wasser – die Geschichte des Ruhrgebiets ist auch die von Gelsenwasser. Unsere Serie ist eine kleine Hommage an das Ruhrgebiet. Teil 3 erzählt über die Wirtschaftswunder-Zeit mit dem Wasserrekord von 1959. Lest auch:

Teil 1 Pott, Pütt und Wasser – wie alles begann
Teil 2 Pott, Pütt und Wassernot – knapp und schmutzig

Wenig Kriegsschäden unter Tage

Text Das „schwarze Gold“ machte das Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert groß. Und mit dem Bergbau entwickelte sich die Wasserversorgung (Lesen Sie dazu Teil 1 und 2 unserer Blog-Serie). Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Steinkohlebergbau in den 1950er Jahren ein Motor des deutschen Wirtschaftswunders.

Schon gewusst?
Rund 607.300 Menschen malochten in 173 Zechen, förderten circa 150.000 Mio. Tonnen Steinkohle pro Jahr.
Zahlen 1957 von Kohlenstatistik.de

Schon während des Ersten Weltkriegs wurde die Industrie im Ruhrgebiet ganz auf die Waffenproduktion ausgelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 standen die Produktionsanlagen still. Viele wurden durch Bombenangriffe zerstört. Doch unter Tage waren die Schäden gering. Viele Zechen nahmen den Betrieb zügig wieder auf. Denn die Nachkriegswinter waren bitterkalt – Heizmaterial wurde dringend gebraucht.
Das „Grubengold“ sorgte dafür, dass die ersten Öfen wieder beheizt und die Fabriken wieder laufen konnten. Und mit der Kohle kam auch die Stahlproduktion wieder auf die Beine, die so wichtig war für neue Autos, Züge und Schiffe. Die Kohle war der Motor des Wiederaufbaus und so erlebte der Bergbau einen neuen Höhepunkt. Mit der Kohle erreichte auch der Wasserabsatz neue Dimensionen.

Wasserrekord 1959: so viele Millionen Kubikmeter wie noch nie

1947, 1949 und 1952 gab es kaum Regen in den Sommermonaten – die Wasserreserven im Energiezentrum Deutschlands wurden knapp, gleichzeitig stieg der Wasserverbrauch. 1959 erreichte der Wasserabsatz beim „Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier“ eine neue Rekordhöhe: mehr als 214 Mio. Kubikmeter! Allein 73,5 Mio. Kubikmeter Trinkwasser wurden davon im Wasserwerk Haltern gewonnen. Das war 1908 erbaut worden.

Entwicklung der Wasserabgabe von Gelsenwasser für den Bergbau

  • 1955 Gesamtabgabe  208,6 Mio. m³ Wasser, davon 76,6 Mio. m³ für den Bergbau
  • 1959 Gesamtabgabe  214,1 Mio. m³ Wasser, davon 77,1 Mio. m³ für den Bergbau – unser Wasserrekord
  • 2016 Gesamtabgabe 221,6 Mio. m³ Wasser, davon 0,6 Mio. m³ für den Bergbau
Grafik zur Entwicklung der Wasserabgabe für den Bergbau Gelsenwasser

© GELSENWASSER AG

Bergbau auf Talfahrt: Kadett statt Kohle

Der Rekord war der Anfang vom Ende. Ab 1958 begab sich der Bergbau auf Talfahrt – das Zechensterben begann. Die ersten staatlichen Förderungen liefen aus, die daraus resultierende Überproduktion (Motto: „Kohle fördern um jeden Preis“) rächte sich. Das günstige Erdöl lief der zu teuren Ruhrkohle den Rang ab. Doch zunächst fanden sich neue Aufgaben für die Kumpel. So wurde auf dem Gelände der Zeche Dannebaum in Bochum das Opel-Werk errichtet. Statt Kohle produzierte man dort nun den Kadett.
Mit den Jahren wanderte der Bergbau nach Norden bis nach Haltern und im Osten des Ruhrgebiets bis nach Hamm und Ahlen. Mit der Schließung der Zeche Hannover 1973 war Bochum die erste Stadt im zentralen Ruhrgebiet ohne aktive Schachtanlage.
Doch bis heute berührt er die Trinkwasserversorgung. Denn in den stillgelegten Zechen gibt es „Ewigkeitsaufgaben“. Unter anderem muss verhindert werden, dass das Grubenwasser mit dem Trinkwasser in Berührung kommt.

Pott, Pütt und Wasserrekord beim Wirtschaftswunder: Blogserie zum Baschied von der Kohle

Harte Arbeit unter Tage: Mit dem Zug fuhren die Kumpel – hier auf der Zeche Prosper 2 in Bottrop 1934 – in die Stollen. Am Ende der 1950er Jahre ging der Ruhrbergbau auf Talfahrt.
©montan.dok/BBA 85/2531

Ausflugtipp vom „Team blau-grün“

Zeitalter der Kohle - das Plakat zur Ausstellung„Das Zeitalter der Kohle“ – schaut Euch die faszinierende Ausstellung an! Sie läuft noch bis zum 11. November 2018 in den Hallen der Mischanlage auf der Kokerei Zollverein (UNESCO-Welterbe Zollverein) in Essen. Besucher machen eine Reise durch die Geschichte der Kohleförderung und ihrer Folgen in Europa. Der Ruhrbergbau spielt natürlich eine besondere Rolle. Die Ausstellung ist eine Aktion des Deutschen Bergbau-Museums Bochum und des Ruhr Museums.
Flyer Das Zeitalter Der Kohle
Website der Ausstellung


FOTOS

Ein herzliches DANKESCHÖN an das Bergbaumuseum Bochum und das Montanhistorische Dokumentationszentrum für die Unterstützung und die tollen Fotos.

Bergleute bei Kohlegewinnung auf Zeche Tinsbank, 1934
© montan.dok 023200233001/Foto: Fritz Kellner

Personenzug, Zeche Prosper 2 in Bottrop, 1934
© montan.dok/BBA 85/2531

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