Die Nitratbelastung des Grundwassers ist vielerorts zu hoch. Die Folge: Wasserversorger müssen Brunnen schließen oder teure Verfahren zum Filtern einbauen. Dadurch könnte Trinkwasser laut einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes bis zu 45 Prozent teurer werden. Gelsenwasser setzt sich deshalb für ein Umdenken ein: Vorsorge statt Reparatur!

Vergangene Woche veröffentlichte das Umweltbundesamt (kurz UBA) eine neue Studie: Demnach könnte Trinkwasser in vielen Regionen in Deutschland um bis zu 45 Prozent teurer werden. Ursache dafür ist vor allem die zu hohe Nitratbelastung. Bei über 27 Prozent der Grundwasserkörper liegt der Nitratwert über dem erlaubten  Zielwert von 50 mg/l. In der Folge müssen Wasserversorger in den betroffenen Regionen Brunnen schließen. Oder alternativ zusätzliche, neue Aufbereitungsmethoden in den Wasserwerken schaffen, um auch in Zukunft qualitativ hochwertiges Trinkwasser zu gewinnen – ohne zu hohen Nitratgehalt. Diese neuen Techniken bewirken eine Preissteigerung von 32 bis 45 Prozent pro Kubikmeter Trinkwasser.

„Eine hohe Nitratbelastung im Grundwasser ist derzeit in NRW schon jetzt in Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung ein Problem“, sagt Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider. „Da sind Überschreitungen des Grenzwertes im Grundwasser keine Seltenheit. Aber im Ruhrgebiet haben wir aktuell noch kein Nitratproblem.“

Wir müssen dort ansetzen, wo das Problem entsteht. Es gilt zu verhindern, dass zu viel Nitrat ins Grundwasser gelangt!
Dr. Dirk Waider

Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider

Gelsenwasser-Vorstand Dr. Dirk Waider

Das solle so bleiben, so Waider. Doch dazu muss ein Umdenken stattfinden! „Wenn es bald keine grundlegenden Veränderungen im Umgang mit Gülle gibt, dann wird Nitrat auch für unsere Wasserwerke ein Problem!“ Gelsenwasser setzt sich – auch auf politischer Ebene – für dieses Umdenken ein: hin zur Vorsorge statt Reparatur und zum Verursacherprinzip. Denn unsere Wasserressourcen sind ein Schatz, den wir alle schützen müssen. Unser Credo beim Trinkwasser lautet: So viel Natur wie möglich – so wenig Technik wie nötig! „Wir müssen dort ansetzen, wo das Problem entsteht“, bekräftigt Dr. Dirk Waider. „Es gilt zu verhindern, dass Nitrat ins Grundwasser gelangt! Es muss über Düngeverbote oder -einschränkungen in belasteten Gebieten nachgedacht werden.“ Die Vorsorge beim Wasserschutz ist der entscheidende Faktor für die Trinkwasserqualität von morgen!
Grundsätzlich gibt es mehrere geeignete, aber kostenintensive Verfahren um Nitrat herauszufiltern. „Bei Nitratbelastungen oberhalb des Grenzwerts würden auch wir diese Techniken benötigen“, erklärt der technische Vorstand von Gelsenwasser. „Das bedeutet dann einen hohen Kostenaufwand, in der Größenordnung, die das Umweltbundesamt ermittelt hat.“

Große Herausforderungen für Wasserversorger

Auch ohne aktuell hohe Nitratbelastung ist es schon eine anspruchsvolle Herausforderung für Wasserversorger wie Gelsenwasser, qualitativ hochwertiges Trinkwasser zu gewinnen. Denn Chemikalien wie PFT und Spuren aus Arzneimitteln und Röntgenkontrastmittel müssen aufwendig herausgefiltert werden. „Im Ruhrgebiet ist aber schon fast überall eine weitergehende Aufbereitung des Trinkwasser vorhanden“, so Waider. Allein die Wasserwerke entlang der Ruhr investieren gerade schon mehr als 200 Mio. Euro in die Trinkwasserqualität!

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