Mit „Wasserflöhen“ wird Wasser wieder sauber. Deshalb wurden kleine Blattfußkrebse im Wasserbassin an unserer Hauptverwaltung ausgesetzt. Sie haben die durch Algen grüne Brühe auf natürliche Weise in klares Wasser verwandelt!

Alle, die schon mal an der Gelsenwasser-Hauptverwaltung in Gelsenkirchen waren, wissen: Rund um eines unserer großen Bürogebäude befindet sich ein Wasserbassin. Leider ist das Wasser darin nicht immer klar, sondern je nach Wetter grün oder bräunlich. Algen färben das Wasser – und bei Sonne und Sommerhitze wachsen sie besonders schnell. Das kennt jeder, der einen Pool oder Planschbecken im Garten stehen hat. Auch bei Seen kommt das immer mal wieder vor.
Jetzt ist unser Wasser rund um das markante Glasgebäude an der Willy-Brandt-Allee aber wieder glasklar. Dafür haben die kleinsten Gelsenwasser-Mitarbeiter gesorgt: unsere Blattfußkrebse. Die kleinen Tierchen, die umgangssprachlich oft „Wasserflöhe“ genannt werden, haben die ganze Algen und Pflanzenreste im Wasser einfach weggefuttert.

Blattfußkrebse alias Wasserflöhe im Netz

Blattfußkrebse alias Wasserflöhe im Netz

Blattfußkrebse sind nicht verwandt mit den Menschen- oder Tierflöhen, mit denen man im Kindergarten oder bei Haustieren zu tun hat. Daher ist der Begriff „Wasserflöhe“ eigentlich nicht korrekt. Er kommt wahrscheinlich von der hüpfenden Schwimmbewegung der Tiere.

Gefräßige kleinste Kollegen

„Wir haben in den letzten Monaten immer mal wieder Blattfußkrebse in das Wasser gesetzt. Nach und nach haben die sich stark vermehrt und alles, was an Plankton im Wasser war, gefressen“, erzählt Rüdiger Szymczak von der Westfälischen Wasser- und Umweltanalytik (WWU). Im Moment kann man die vielen kleinen Krebse in Schwärmen sogar mit dem bloßen Auge erkennen, so viele sind das. „Die sind sogar regelrecht pummelig, weil sie in den letzten Wochen richtig viel zu futtern hatten“, schmunzelt seine Kollegin Kim Dieckermann. Sie hat die Krebse in den vergangenen Monaten im Gewächshaus von Gelsenwasser vermehrt.
In den ersten Wochen hat man dem Wasser gar nichts angesehen, dann aber wurde es innerhalb weniger Tage klarer. Inzwischen kann man bis auf den Grund sehen – und den Krebsen zuschauen. Vor allem da, wo sich noch viele Algen oder Pflanzenreste wie Blätter am Boden befinden, sind ganze „Kolonien“ der kleinsten Gelsenwasser-Mitarbeiter emsig bei der (Fress)Arbeit.
Es gibt zahlreiche verschiedene Wasserkrebse. Neben den großen bekannten Flußkrebsen gehören die zentimetergroßen Flohkrebse und die millimeterkleinen Ruderfußkrebse und Blattfußkrebse zur Fauna unserer Gewässer.

Daphnien für höhere Wasserqualität

Blattfußkrebse alias Wasserflöhe werden eingesetzt

Kim Dieckermann von der WWU setzt die gezüchteten Blattfußkrebse alias Wasserflöhe ins Wasser.

Für Rüdiger Szymczak und Kim Dieckermann sind die kleinen Kerlchen quasi Arbeitskollegen. Denn die Blattfußkrebse werden im WWU-Labor direkt nebenan von Gelsenwasser gezüchtet. Der Grund: Mit den kleinen Lebewesen erhält man Aufschlüsse über die Wasserqualität eines Gewässers. Sie sind sehr empfindlich gegenüber Schadstoffen: Ist Wasser verunreinigt, zeigen die „Wasserflöhe“ ein ungewöhnliches Schwimmverhalten, vermehren sich nicht mehr und sterben. Deshalb gibt es so genannte Daphnien-Toximeter. Mit diesem genormten Daphnien-Test lassen sich Schadstoffe im Wasser erkennen. Bestes Beispiel bei Gelsenwasser: In der Gewässergütestation des Wasserwerks Halingen wird schon seit Jahren ständig ein Daphnien-Test gemacht, um die Rohwasserqualität der Ruhr zu prüfen. Und auch bei der WWU sind die Krebstiere – Daphnien ist der Fachbegriff – im Einsatz.

Kleine Überlebenskünstler

Daphnien sind übrigens Überlebenskünstler. Sie können mehrere Wochen leben und sind ein bis fünf Millimeter klein sind. „Die meisten Daphnien sind Weibchen, die sich eingeschlechtlich vermehren“, erzählen die Experten von WWU. Die Jungtiere sitzen in einem Brutraum unter dem Panzer und wenn die Weibchen sich häuten, werden sie geboren.“ Die abgelegten Häute sinken auf den Boden. „In den nächsten Generationen werden dann aber auch Männchen geboren, allerdings in geringer Anzahl, und dann können sich die Tiere auch geschlechtlich vermehren“, erklärt Szymczak. Diese Dauereier – aus denen sich meistens männliche Tierchen entwickeln, werden im Herbst auf dem Grund des Gewässers abgelegt – und können aufgrund einer Schutzhülle viele Jahre überdauern.

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